Alt blir bedre med bacon – das Finale
Nach drei Tagen „alternativem Hüttenzauber“ auf Skjernøya ging es weiter auf die letzte Etappe unserer diesjährigen „Angeln mit Dachzelt“-Tour 2025. Eine Reise, bei der das Dachzelt wetterbedingt deutlich seltener zum Einsatz kam als ursprünglich geplant. Nicht etwa, weil wir keine Lust mehr darauf gehabt hätten – sondern weil uns Norwegen in diesem Jahr reichlich Alternativen unter festen Dächern bot. Und ehrlich gesagt: Wir haben sie dankend angenommen.
Als wir Mandal verließen, erreichten uns bereits amtliche Wetterwarnungen wegen Überschwemmungen im Raum Flekkefjord. Das klang fast wie die offizielle Zusammenfassung unseres diesjährigen Urlaubswetters. Ganz so weit nach Westen wollten wir allerdings ohnehin nicht mehr – unsere Route führte uns stattdessen gemütlich weiter Richtung Lyngdal.
Eine Wollfabrik als erster Beifang mit Färbetechnik

Kurz hinter dem Ortsausgang von Mandal folgten wir einem Schild, das uns schon einmal zu einem Angelspot geführt hatte. Diesmal wollten wir jedoch tatsächlich der darauf verzeichneten Destination einen Besuch abstatten: der „Uldvarefabrik“. Die ehemalige Wollfabrik wurde in ein Museum umgewandelt und produziert zu Demonstrationszwecken immer noch mit originalen Maschinen aus dem letzten Jahrhundert.

Hier wird gezeigt, wie Wolle damals vom Schaf bis zum fertigen Textil verarbeitet wurde – Reinigen, Verspinnen, Färben, Weiterverarbeiten – alles nachvollziehbar erklärt und teilweise sogar live vorgeführt.

Norwegische und deutsche Führungen machen den Besuch angenehm zugänglich. In unserem Fall hat uns Tanja den Herstellungsprozess, die Maschinen und die historischen Entwicklungen fantastisch in unserer Muttersprache nähergebracht.

Es war der erste von zwei „Beifängen mit Färbetechnik“, die wir auf dieser Reise mitnahmen – ein Stück Industriegeschichte, ruhig und entschleunigt. Ideal, wenn Wetter oder Beißlaune dem Angeln einmal einen Strich durch die Rechnung machen oder man etwas Abwechslung für nichtangelnde Mitreisende sucht. Hier geht's zur offiziellen Website der Sjølingstad Uldvarefabrik.
Hochwasser an der Lygna und Hoffnung auf bessere Bedingungen

Unsere letzte Etappe führte uns an der Lygna vorbei, einem Lachsfluss, der so wasserreich war, wie wir ihn noch nie erlebt hatten – tatsächlich führten hier alle Flüsse unglaublich viel Wasser! Schade nur, dass die Lachssaison bereits vorbei war; in den vergangenen Jahren scheiterte unser Erfolg meist an zu niedrigen Wasserständen. Dieses Mal hätte es vielleicht ganz anders ausgesehen.

Obwohl für die letzten Tage eine leichte Wetterbesserung in Sicht war, kehrten wir zunächst bei Freunden ein und nutzten dankbar ihr Gästezimmer. Gemeinsam erkundeten wir einige Spots, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen waren. Einer der ersten Abstecher führte uns zum Listafyr. Die niedrig stehende Sonne über der rauen Küste bot ein fantastisches Panorama, das wir aufgrund des starken Windes aus einer kleinen Hütte bewundern konnten, die ursprünglich zur Vogelbeobachtung errichtet wurde.

Ein weiterer Ausflug brachte uns zum Kviljostrand – einem romantischen Sandstrand, der durch seine vielen verwinkelten Dünen erstaunlich viel natürliche Privatsphäre bietet. Die Struktur verändert sich jedes Jahr durch die starken Einflüsse von Wind und Wasser. Trotzdem ist es ein Ort, der besonders im Sommer Ruhe ausstrahlt und eindrucksvoll zeigt, wie vielfältig Norwegens Küstenlandschaft sein kann.

Nicht weniger beeindruckend waren die wasserreichen Kaskaden bei Drange, die uns fast an Skrelia erinnerten. Von dort eröffnet sich ein fantastischer Blick ins Tal und hinunter auf die Bucht des Fjordes.
Doch natürlich sollten Angeln und Dachzelt das Finale unserer gleichnamigen Tour bilden – und nach der Wollfabrik sollte uns auf dem Wasser noch ein weiterer Beifang mit ganz eigener Färbetechnik erwarten.
3 Mann in einem Boot – und ein zweiter Beifang

Wie schon häufiger in den letzten Jahren mieteten wir uns auch dieses Mal wieder ein Boot bei Hausvikstranda, um noch etwas Fisch für die Heimat an Land zu ziehen. Die Anlage bietet die Möglichkeit, Fänge bei der Tagesmiete offiziell registrieren zu lassen – eine Voraussetzung für den legalen Export von Meeresfisch aus Norwegen. (Hier geht's direkt zum Anbieter)

Der Vormittag verlief zunächst eher schleppend. Ufernah tat sich wenig, die Kisten blieben leer. Mittags kam Verstärkung: Unser dritter Mann stieß direkt nach Feierabend am Anleger zu uns. Gemeinsam fuhren wir weiter hinaus und steuerten einen Graben in der Flucht des Rosfjords an – einen Spot, der uns in den vergangenen Jahren schon mehrfach Fisch gebracht hatte.

Und auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht. In stetigem Wechsel gingen die Fische an Bord, die Kisten füllten sich langsam, aber kontinuierlich mit den unterschiedlichsten Spezies. (Hier geht's zum Revierbericht)

Das absolute Highlight kam dann jedoch völlig unerwartet: ein Tintenfisch. Die Überraschung war groß, als sich das gehakte Tier erstmals neben dem Boot zeigte. Zum Glück warnte mich ein Kollege rechtzeitig, beim Abhaken vorsichtig zu sein – der Tintenangriff ging ins Leere.

Erstaunlich war später beim Saubermachen zu sehen, wie viel Tinte sich tatsächlich im Körper befand – ein Beifang mit sehr effektiver Färbetechnik. Auch sonst ein faszinierendes Wesen: große Augen, Saugnäpfe, die sich selbst im toten Zustand noch an anderen Fischen festsaugten, und diese eigenartige „Hauptgräte“, die man als Ganzes herausziehen kann und die aussieht wie eine durchsichtige Vogelfeder aus Plexiglas.
Zehn Fischarten, eine kalte Nacht und ein würdiger Abschluss

Über die gesamte Reise hinweg kamen wir auf zehn verschiedene Fischarten: Bachforelle, Flussbarsch, Makrele, Lachs, Wittling, Schellfisch, Köhler, Pollack, Dorsch – und eben Tintenfisch. Unsere Freunde verstauten für uns alles sicher im Tiefkühler, während wir unsere Reise mit einer letzten Nacht im Dachzelt ausklingen ließen.

Es wurde unsere bislang kälteste Nacht: sternenklarer Himmel, rund 4 °C. Dank unserer neuen Campwerk-Heizdecke aber absolut kein Problem – im Gegenteil, es war eine dieser Nächte, die man in bester Erinnerung behält.

Am nächsten Morgen packten wir zusammen und buchten spontan unsere Fähre von Kristiansand nach Hirtshals – wie gewohnt günstig über die norwegische Seite. Neu für uns: das Frühstücksbuffet an Bord. 20€ pro Person, aber absolut gut investiert: riesige Auswahl, fester Sitzplatz und mehr als genug Zeit, sich gleich zweimal ordentlich satt zu essen. Perfekt, um unseren in diesem Urlaub neu gelernten norwegischen Satz zu üben: „Alt blir bedre med bacon.“ 😊

Nach rund 3.600 Kilometern war diese Reise zu Ende. Selten haben wir einen Urlaub so sehr „auf Sicht“ geplant – und genau das machte ihn so abwechslungsreich, überraschend und gleichzeitig erholsam. Viel Fisch, viele Begegnungen, viele kleine Geschichten. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr. Vermutlich wieder mit festem Domizil – und Dachzelt-Tagesausflügen.


